
SANDELDAMM, HANAU
Private Projketentwicklungsgesellschaft
Die Villa am Sandeldamm war lediglich der Auftakt für eine umfangreiche Projektentwicklung am Standort: Ein tatsächlich überdimensionierter Neubau mit insgesamt rund 1200qm Wohnfläche samt Tiefgarage wurde hier von der Voreigentümerschaft samt Stadt durch eine Bauvoranfrage projektiert. Dass wir als kleines Büro diese Mammutaufgabe übernommen haben, hatte vor allem mit der gestalterischen Verantwortung zu tun, die mit einem Neubauvorhaben im gewachsenen und denkmalgeschützten Umfeld einhergeht. Die Verantwortung vor die Villa einen ganz anders gerechneten Neubau zu platzieren stellte vermutlich in erster Linie für mich einen ganz besonderen Reiz dar sich für das Projekt aussergewöhnlich zu motivieren.
Der "Sandeldamm" beschreibt histroisch den Verlauf der ehemallgien Wall- und Wehranlage zum Schiutz vor Invasion sowie Überflutung der nahegelegenen Kinzig. Hinter der Wallanlage war das Wehr um den Stadtgraben ergänzt, den wir im Zuge der Tiefbauarbeiten sehr beeindruckend wiederfinden konnten; er liegt verflucht tief und wurde damals wohl kanalisiert und dann mit Erdreich überdeckt. Entsprechend hat man wohl in der Zeit der Insustrialisierung und Expansion eher Baugrund angehäuft statt Wallanlagen abgefahren. Seit dem stellt der Sandeldamm für den Hanauer Norden und das Lamboyviertel die wichtigste Einfallstrasse in die Kernstadt dar.
Das in der Denkmaltopografie Hanau beschrieben "Wohnviertel Sandeldamm und Jahnstrasse" gehörte zu den Neubauvierteln des ausgeehnden 19. Jahunderts mit denen der Magistrat versuchte dem Wohnraummmangel seiner Zeit entgegenzuwirken. Neben einzelnen anspruchsvollen Einfamilienwohnhäusern sowie funktionalen Bauten enstanden zahrleich mehrgeschossige Mietwohnhäuser in Massivbauweise, die das städteische Bild der Siedlung noch bis heute prägen, wenn auch die Angriffe vom 19. März 1945 zahlreich Dachstühle in Brand gesetzt hatte und das gesamte Viertel gefühlt einen Kopf kürzer gemacht hat. Aus den Stadtarchivalien wissen wir, dass die gebaute Stadt einmal mindestens ein Geschoss mehr getragen hatte.... die Schäden des zweiten Weltkrieges wiegten schwer; so auch der Aushub unserer Baugrube, der gespickt war mit historischem Steinmaterial.
Das Grundstück wurde wohl aufgrund seines spitz zulaufenden Zuschnittes nicht hastig bebaut. Nach zahlreichen Entwürfen wurde erst 1913 ein grenzständiges Wohnhaus projektiert, was vermutlich durch den 1. Weltkrieg seiner Realisierung entging. Und so fristete nun das Tortenstück ein eher unscheinbares Leben bis es 1945 vermutlich als Schutthalde fürs Viertel herhalten musste und schließlich einen unspektakulären Parkplatz mit Fertiggaragen verpasst bekommen hatte und so den Platz lange warm hielt für das heute hier im Erdreich halb eingebuddelte Garagengeschoss unserer Planung.
Die üppige Grundfläche gliederte sich zu Beginn des Entwurfes einzig in Fassade und Erschließungskern in der geometrischen Mitte. Im Anschluss wickelten wir entsprechend Abstandsflächenanforderungen und statischer Wirtschafltichkeit eine pragmatisch geglidertere Lochfassade um die äussere Kanten unserer Fläche, die einzig der geschützten und 25m hohen Stabeiche auswichen sowie sich spitz und in gewisser Weise erkerartig dem Villenbau gegenüber aufbaute. Die eigentlich seltsame Kante steht dem Risaltibau der Villa als modern interpretiertes Pendant gegnüber und führte optisch zur Maximierung der Fassadenanzahl und gleichzeitig zur Reduzierung zusammenhängender Flächen. Gerade die Seiten des Baus wirken gewissermaßen ellenlang und monton; sind sie doch dem pragmatischen Umgang mit den Anforderungen geschuldet. Vorne wie hinten bricht aber der Verlauf die Fassade in eine Kleinteiligkeit und schafft durch die Führung an der engsten Stelle ausschließlich indirekte Blicke auf die beide Gebäude und nicht tief in die gegeüberliegenden Wohnungen, was tatsächlich Privatsphäre für alle schafft.
Um das Zentrum der Erschließung wickelt sich auf drei Vollgeschossen unter dem doppelstöckigen Walmdach insgesamt 16 Wohneinheiten. Das Treppenhaus wurde dabei zur Fassade hinaus gesteckt um für eine natürliche Belichtung und Belüftung der zentralen Fläche zu sorgen. Hinter den Wohnungseingangstüren bauen sich alle Wohnungen ähnlich auf: Garderobe und Sanitärbereiche mit Hauswirtschaftsbereichen finden sich aufgrund der immensen Tiefe des Grundrisses nicht an der Fassade. Dafür genießen jedoch die offenen Wohn- und Schlafbereiche den Blick durch die raumhohen Fenster in das städtische Umfeld, auf die historische Villa oder den üppigen Baumbestand der Liegenschaft; manch eine Wohnung fühlt sich fast mehr nach einem Baumhaus an. Die Grundrisse der Wohnungen wirken auf dem Plan schnell etwas seltsam, jedoch sind sie attraktiv zu möblieren und mit ihren Ecken und Kanten versehen, vermitteln sie Lebhaftigkeit ganz im Gegensatz zu der gestalterischen Ruhe. Seidengrau und weiß schaffen eine warme Eleganz die Ihre Bewohner mit Leben und auch Farbe füllen dürfen; im Notfall dringt jedoch für Puristen einzig die Natur mit üppigem Grün durch die französischen Balkone ungehindert in jede Wohnung!
Nach den drei Regelschossen in sandsteinfarbenem Anstrichskleid auf besengestrichenem Putz wurde der Bau mit dem zweigeschossigen Walmdach ergänzt, welches nicht mit Schiefer wohl aber mit schieferfarbenen Aluminiumrauten gedeckt wurde. Eingerückt schafft es Platz für Terrassenflächen und auch Rettungwege und durch die durchlaufenden Gaubenfronten erscheint das erste der beiden Dachgeschosse innen nur in den Ecken als Dachgeschoss. Drei großzügige Maisonettwohnungen fanden Platz unter dem Pendent zum Villenbau; nur so gelang die Integration des Baukörpers in die denkmalgeschützte Gesamtanlage, die zwar rechts und links verloren gegangen ist, doch aber das Bild der gegenüberliegenden Strassenseite prägt.
Der Bau entstand vollständig als Massivbau. Dabei konnten wir durch die Gliederung der Fassade und einen pragmatischen Aufbau der Grundrisse die Statik weitestgehend ohne Beton aufbauen und dadurch Bauzeit und Kosten reduzieren. Das das Dachgeschoss tatsächlich in Massivbauweise ausgeführt werden konnte, was heute im Dach rohe Betonoberflächen zeigt und natürlich für einen phänomnealen sommerlichen Hitzeschutz sorgt kann ich bis heute nicht so recht glauben - das motivierte Rohbauunternehmen löste damit für uns jedoch sämtlich alle spannende Brandschutzthemen im Dachgeschoss durch die Konstruktion.
Es gehört schlussendlich eine gehörige Portion Mut dazu, so ein Projekt in so einem Umfeld gestalten zu wollen; die Verantwortung wiegt nicht leicht. Intensiv haben wir uns mit Fassadenstudien auseinandergesetzt die natrülich von den Kosten her stetig angegriffen wurden. Farben wurden mit Motivation in verschiedensten Abtönungen bestellt, gestrichen, bewertet, trocknen gelassem und wieder korrigiert. Das Dach war eine einzige Katastrophe und besondere Herausfordeurng, schräger Beton, Flachdachdämmung auf schräger Fläche, oben Flachdachfenster und dann die Dachterrasse ohne Attika aber mit Regenrinne...
Schlussendlich hat sich die Arbeit und der Schweiß gelohnt. Manchmal wäre man ggf. mutiger gewesen, natürlich hätte man gerne immer mehr Geld zur Verfügung. Aber: Schlussendlich ist das Experiment aus unserer Sicht mehr als geglückt. Wir haben in einer Zeit in der kaum einer mehr groß gebaut hat günstig Wohnraum in der Innenstadt generieren können. Wir haben ein altes neuen Zuhause erhalten und zahlreich neue Zuhause hinzugefügt, was sich nicht - wie jeder dachte - ernsthaft beeinträchtigt. Der Schutz der Villa stand für viele an erster Stelle: "Wie kann man nur!?!" höre ich noch die Stimmen. Sicher wäre eine eine große Parkfläche mit Palmengarten attraktiv gewesen; doch wer soll die mitten in der Stadt bezahlen?
Es ist schlussendlich auch eine umfangreiche Geschichte von fehlerhaften Einschätzungen: Das Grundstück am Sandeldamm hatte so gar nichts mit der Villa "Vor dem Mühltor" zu tun, welche als 2tes Wohnhaus einer Liegenschaft an der Mühlstrasse entwickelt worden ist. Lediglich der Einkauf fast aller Liegenschaften in diesem Bereich des Sandeldammes durch einen mehr als bautriebigen Geschäftsmannes führte zu dem Zusammenfall beider Liegenschaften und der fehlerhaften Zuordnung der Villa zum Sandeldamm.
Wir sind tatsächlich sehr stolz auf den geglückten Lückenschluss am Sandeldamm, der hier über 100 Jahre währte. Sehr viel unterschiedlicher hätten die beiden Baustellen gar nicht sein können. Und dennoch ergänzen sie sich heute zu einem Ganzen und passen sich ein, respektieren sich gegenseitig und haben Stadt repariert an der Bomben Schäden hinterlassen und Entwicklungen verhindert haben. Bauen ist neben einem großen Geschäft aus längst vergangenen Zeiten auch ein sozialer Akt der Gemeinschaft schafft .... die beiden Projekte haben viel mehr Verbindendendes als Trennendes. Es ist vielelicht nicht schlecht wenn Bauherren das Gebaute tagtäglich im Vorgarten haben müssen ... :)
Es ist sehr gut geworden!
Mir egal das Eigenlob stinkt!
Wir haben viel dafür gearbeitet!































